Hinter den Kulissen: So kommen die Süßigkeiten zu Fröken Lakrits

Wenn’s nach mir ginge, würde ich mir die Ware am liebsten herbeamen lassen. Oder per Drohne liefern lassen. Und zwar dann, wenn ich sie brauche! Aber leider, leider ist das noch Zukunftsmusik – und bis diese innovativen Lieferformen marktreif sind, muss ich mich mit den traditionellen Post- und Speditionswegen anfreunden…

Zu Beginn war’s einfach
Lieferung 2

Als ich begonnen hatte, skandinavische Lebensmittel nach Österreich zu importieren, war der Beschaffungsvorgang ein einfacher: entweder konnte ich selbst welche von einer Reise in den Norden mitnehmen, oder liebe Freunde und Bekannte waren so nett, ein Sackerl Süßes im Kofferraum mitzubringen.

Von diesen Anfängen her weiß ich auch, dass mein Koffer – wenn ich ihn mit Süßem vollpacke – ziemlich genau die 23 kg Maximalgewicht erreicht, das die Fluglinien zulassen. Mein Rücken tut mir heute noch weh, wenn ich daran denke… Legendär war auch ein Einkauf bei ICA Maxi in Malmö, bei dem ich die Kapazität des ausgeborgten Lasten-Fahrrads etwas überschätzt hatte und dann zweimal hin- und retourradeln musste. (Um Missverständnissen vorzubeugen: nicht bis Österreich. Nur bis zum Hotel.) Relativ rasch war also klar, dass ein professioneller Zugang notwendig war.

Marktforschung: wer will mich beliefern?

Einige Monate intensiver Recherche waren notwendig, um den Beschaffungs- und Transportprozess zu fixieren, sprich: bei welchen Großhändlern kann ich einkaufen, und wie kriege ich das Zeugs nach Österreich? Hut ab an dieser Stelle vor den Außenwirtschaftscentern der WKÖ im Norden, die mich dabei sehr engagiert unterstützt haben. Eine Mitarbeiterin meinte sogar, dass das ihre Lieblingsfrage des Jahres gewesen wäre!

Am liebsten wollte ich die Ware direkt beim Produzenten beziehen. Dies stellte sich aber in der Praxis als fast unmöglich heraus – die Minimal-Abnahmemengen pro Bestellung hätten mein Lager völlig überfordert. Also konzentrierte ich mich auf Großhändler mit möglichst breitem Sortiment.

Hilfe, eine Palette kommt!
Das Paket ist da!

In der idealen Welt bestelle ich online und bekomme nach 3-4 Tagen ein Paket geliefert. Bei einem meiner Großhändler klappt das auch recht zuverlässig. Die einzige Herausforderung besteht darin, dass ich nie genau weiß, wann die Ware kommt. Zu den „normalen“ Auslieferzeiten bin ich nämlich in der Arbeit…

Bei den anderen Großhändlern muss ich mich selbst um den Transport kümmern, das heißt ich muss eine Spedition organisieren, die die Ware abholt, bei Bedarf verzollt (Norwegen! Island!) und zu mir liefert. Man kann sich vorstellen, dass das nicht immer wie am Schnürchen klappt. Mal fehlt hier ein Frachtpapier, oder dort wurde eine Email nicht weitergeleitet. Einmal war eine falsche Lieferadresse im System, worauf sich einer meiner Geschäftspartner über eine unverhoffte Lieferung von 30 kg Lakritze und Knäckebrot freuen durfte. Ein anderes Mal meinte der neue Briefträger, die Lieferadresse wäre nicht komplett, und schickte das Packerl wieder nach Deutschland zurück. Yay Logistik!

Lagerhaltung

Süßes hält lange, aber nicht ewig. Die Nachfrage wächst, ist aber saisonal unterschiedlich. Mein Lagerraum ist ausreichend, aber nicht riesig. Wie viel und wie häufig ich Nachschub bestelle, ist also eine Gratwanderung zwischen Lagerraum, Marktentwicklung und Nervenstärke im Hinblick auf die Herausforderungen der Beschaffung und Lieferung. (Manchmal beneide ich die Branchenkollegen aus Norddeutschland, die sich – schwupps – einmal pro Monat in den Lieferwagen setzen und einfach so nach Schweden einkaufen fahren können!)

WarenlagerWenn die Palette dann endlich ihren Weg zu mir gefunden hat, wartet noch ein bisschen Arbeit: auspacken, Etiketten drucken (davor die Inhaltsstoffe auf Deutsch übersetzen) und die Produkte damit bekleben, Ware einlagern, den Webshop und die Lagerverwaltung aktualisieren, und so weiter. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

Schreibe einen Kommentar